Fünf überraschende Herausforderungen in Japan

Jeder neue Ort birgt Unerwartetes. Auch deshalb verreise ich. Aber mit diesen fünf Herausforderungen habe ich in Japan nicht gerechnet.

1. Vegetarisches Essen finden

Vegetarians Welcome!

„Vegetarisch, aha. Isst Du Tofu? Und Nudeln? Und isst Du Pilze?“ Wenn man „vegerisch essen in Japan“ googelt, ist einer der ersten Treffer ein Blogeintrag namens „Warum Japan für Vegetarier die Hölle ist“ und die Autorin hat nicht ganz Unrecht. Kaum jemand weiß, was Vegetarismus bedeutet und Fleisch versteckt sich noch in den unschuldigsten Tofugerichten oder Salatsaucen. Und der angebliche Grillkäse ist aus Hühnchen. Und im Gemüsecurry sind Fleischstückchen. In den Reisküchlein ist Tintenfisch. Und der Restaurantbesitzer versteht nicht, dass ich die Sommerrollen ohne Fleisch will, wenn doch auf der Karte steht, dass sie mit sind. Nach einer Woche steht an einer Restauranttür „Vegetarians welcome“ und ich esse mein erstes Nicht-Beilagen-Essen. Es ist wunderschön.

2. Toilette benutzen ohne zu erschrecken

Piktogrammliebe

Japanische Toiletten sind die besten Toiletten der Welt und sobald ich genug Geld habe, investiere ich in ein Washlet. Sie sind perfekt. Die beheizte – und automatisch gereinigte – Brille empfängt die Benutzerin und nach dem Erleichtern wird man von einem warmen Wasserstrahl gewaschen. Und dann geföhnt. Sehr schüchterne Menschen können außerdem Spülgeräusche anmachen, damit niemand überhören kann, was in der Kabine vor sich geht. Ja, selbst Toiletten in Bars sind sauber und komfortabel! Nur die Erstbenutzung ist eine Hürde, denn die chinesischen Schriftzeichen fordern Mut. Da hilft nur rumprobieren und sitzenzubleiben, sonst wird man gleich überall nass. Aber es gibt gute Nachrichten: Die großen Washlethersteller haben mitgeteilt, dass es bald einheitliche Piktogramme gibt.

3. In Shinjuku sofort die richtige Bahn finden

Shinjuku Station in Tokyo ist der meistfrequentierte Bahnhof der Welt. Täglich steigen hier durchschnittlich 3.64 Millionen Menschen ein-, aus-  oder um. Und ja, es ist der völlige Wahnsinn. Weil die verschiedenen Bahnunternehmen eigene Eingänge haben und nicht alle Linien immer ausgeschildert sind, kann es schon mal ein bisschen länger dauern, bis man seine Metro gefunden hat. In unserem Fall mehr als eine halbe Stunde. Und das lag nicht daran, dass wir auf dem Heimweg vom Feiern waren, sonst wäre es nicht am nächsten Morgen noch mal passiert.

4. Waschmaschinen bedienen

Japanische Waschmaschinen waschen nur kalt, also darf man sich beim Waschmittel nicht zurückhalten. Schwieriger ist aber, dass sich keine Piktogramme finden, sondern Kanji zum Beispiel für „gut waschen“ oder „viel Waschmittel“. Man muss also zwingend einen Blogbeitrag zu dem Thema aufrufen und dann das Smartphone nach und nach neben jedes Programm halten und auf Ähnlichkeiten abgleichen. Was aber nicht bedeutet, dass, statt zu trocknen, die Waschmaschine plötzlich unkontrolliert bis oben hin mit Wasser vollläuft. „Oh Himmel! Meinst Du, das ist Spülstopp? Oder das? Lass uns schnell da drauf drücken, das sieht ein bisschen aus wie die Schriftzeichen für Abpumpen!“

5. Ausreichend Vitamine essen

Was für ein Schnäppchen!

Natürlich gibt es im Frühjahr wenig regionales Obst auf einer Inselkette, viel gibt es ja in Nordeuropa auch nicht. Aber ein Apfel für umgerechnet € 2? Eine Banane für € 1,80? 200 Gramm Erdbeeren für €  5 Im Ernst? Ja und nicht ungewöhnlich in Japan. Obst im Supermarkt ist wunderschön, perfekt angerichtet und verpackt, sicherlich sehr lecker – und unfassbar teuer. Obst ist ein Luxus und wird gerne verschenkt. Ich bin sehr für respektvollen Umgang mit Essen aber irgendwann schreit mein Körper nach Vitaminen. Und dann sehe ich das Sonderangebot in Kyoto: Sechs Äpfel für sechs Euro. Ja! Ja! Ja!

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